Was (Text: Paul Celan), 110 x 80 cm, Kohle, Öl , Filzstift  auf Leinwand, 2018

Achtung!

Bilder, mit geografisch verortbaren Collageteilen und mit Buchstaben, die sich zu Worten fügen – aus Gedichten von Else Lasker-Schüler und Rose Ausländer, beide geografisch vertrieben, verfolgt.

Christiane Lenz‘ ästhetische Bilder gehen über das eine Medium hinaus, fassen zusammen und halten Erinnerung wach an eine Reise nach Czernowitz.

Respekt!

Dr. Rüdiger Schleysing, 2019


Reminiszenzen zu Bildern der Malerpoetin Christiane Lenz

Christiane Lenz liebt Gedichte, sie malt Gedichte.

Den verschlungenden Pfaden der Sprache folgt sie mit dem Pinsel, pflückt das Wort wie eine Blüte, Buchstaben, Silben, setzt Figuren in Beziehung zu dem Vers, den der Leser glücklich entziffert als den Anfang eines Gedichts von Rose Ausländer oder Rainer Maria Rilke.

Christiane Lenz selektiert auf ihre Weise wie jeder Künstler. Von Michael Krügers Gedicht „Paradies. Um 1530“, dem das Gemälde „Paradies“ von Lucas Cranach d.Ä. (1472 Kronach – 1553 Weimar) zugrunde liegt, nimmt sie den Anfang der zweiten Strophe „Das Paradies ist rund // und ohne Grenzen.“

In der Bildmitte eine kräftig rosafarbene Ellipse, um die auf der rechten Seite die Buchstaben laufen wie bei einem Wettbewerb und auf dem Mittelfeld ein knallroter Kreis; von den zwei Brennpunkten der Ersteren zur Konzentration auf den einzigen Brennpunkt des Kreises. Michael Krüger beschreibt seine Bildmitte als unbewohntes Herz.

So unterschiedlich ist Kunst und Kunstbetrachtung.

Jenny Schon, M.A. 2019


Draußen (Text: Paul Celan), 110 x 80 cm, Kohle, Öl  auf Leinwand, 2018
Dank, H 24 cm, Holz, Gips, Papier, Farbe

Christiane Lenz (Zeha)

Zeha experimentiert mit ungewöhnlichen Materialien. Wände und Deckel alter Teekisten werden ebenso zur Leinwand wie Faltkartons aus Pappe, langgezogene hauchdünne Sperrholztafeln oder von Zeit und Meer verwaschene Schiffsplanken. Fundstücke aus Meer und Wald werden zu Skulpturen, die die Berliner Künstlerin gerne mit Teilen menschlicher Körper aus Gips kombiniert. Lebendige Farbkontraste zwischen braun und weiß entstehen.Menschliche Eigenschaften springen dem Betrachter aus den ungewöhnlichen Kombinationen entgegen. Ein sicherer Blick für ästhetische Proportionen paart sich mit Humor und Einfallsreichtum.

In der Malerei experimentiert Zeha mit der Kombination aus Wort und Bild. Worte aus Gedichten werden zu bildhaften Teilen, die kaum noch zu entziffern sind. Die Leseanstrengung ist jedoch lohnend: Wunderbare Ausschnitte von Hilde Domin, Rose Ausländer, Paul Celan, Else Lasker-Schüler kommen zum Vorschein. Interpretationen der Künstlerin sind erkennbar, aber niemals aufdringlich. Dem Betrachter bleibt Raum für eigene Gedanken. Fröhliche, klare Farben werden verwendet. Entweder prägen grafische Formen in manchmal fast mathematischen Anordnungen die Bilder – oder aber figürliche Darstellungen von Personen aus dem Umfeld der Malerin. Gesichter und Körperteile fügen sich mit Worten zu neuen, bislang ungesehenen Kombinationen.

Ergänzt werden Skulptur und Malerei durch Fotografien italienischer Städte oder norddeutscher Natur. Auch hier findet sich der sichere Blick der Künstlerin für Details, Farben und ungewöhnliche Kombinationen wieder.

Micheline Prüter-Müller, April 2017